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Verklärte Helden, verurteilte Mörder

Die Arbeit des Haager UN-Gerichtshof für das ehemalige Jugoslawien geht zu Ende, die Aufarbeitung der Kriegsverbrechen wird aber fortgesetzt. Gerichte in Zagreb, Belgrad und Sarajevo tragen jetzt die alleinige Verantwortung dafür, dass Kriegsverbrechen nicht ungesühnt bleiben. Doch Politiker und weite Teile der Bevölkerung sind bis heute nicht bereit, sich damit auseinanderzusetzen. Verurteilte Kriegsverbrecher werden als Helden gefeiert, das Leid der Opfer wird ausgeblendet.

Schwierige Vegangenheit

Deutschlandfunk
28.2.2019

20 Jahre nach dem Kosovokrieg soll ein neues Sondergericht in Den Haag klären, ob Soldaten der kosovarischen Befreiungsarmee UCK Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Viele Menschen im Kosovo lehnen das Gericht aber ab. UCK-Kämpfer gelten als Helden. Mögliche Zeugen bangen um ihr Leben.

Für Gott und Kroatien

Die katholische Kirche in Kroatien ist mit Privilegien ausgestattet, wie kaum eine andere Religionsgemeinschaft in Europa. Sie wird mit viel Geld aus dem Staatshaushalt finanziert und ist zugleich ein einflussreicher Faktor: in Talkshows, in der Schule, in der Politik. Propagiert werden aber nicht nur die Heilige Schrift, sondern auch Nationalismus, 

Die Brücke über die Drina

Deutschlandfunk
24.6.2017

„Die Brücke über die Drina“ von Ivo Andric ist eine monumentale Erzählung über das multikulturelle Leben auf dem Balkan. Die Brücke galt als Symbol von „Brüderlichkeit und Einheit“. Das wirkt heute bitter ironisch, denn an dieser Brücke ereignete sich vor 25 Jahren ein Massaker, das viele andere Grausamkeiten des Bosnien-Kriegs noch in den Schatten stellen sollte. 

Mythos „Trepca“. Der Streit um die Mine im Kosovo

Deutschlandfunk
29.4.2017

Sie galt einst als „Kronjuwel“ des Kosovo: Die Trepca-Mine in der heute geteilten Stadt Mitrovica. Zu jugoslawischer Zeit gruben hier bis zu 20.000 Bergleute nach Blei, Zink und Edelmetallen; fast alle Familien in und um Mitrovica haben direkt oder indirekt von Trepca gelebt. Aber die Mine war und ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor.

Tabakanbau in Bulgarien. Niedergang einer Kulturpflanze

Seit Jahrhunderten wird in Bulgarien Tabak angebaut. Seinen Höhepunkt erlebte der Wirtschaftszweig Ende der 1960er-Jahre, als das sozialistische Land der weltgrößte Exporteur von Tabakerzeugnissen war. Ein Achtel der Bevölkerung war damals in der Tabakindustrie beschäftigt.

Gescheiterter Staat? Bosnien-Herzegowina 20 Jahre nach Kriegsende

Vor 20 Jahren wurde mit der Unterzeichnung des „Vertrags von Dayton“ der Bosnien-Krieg formal beendet. 100.000 Tote waren zu beklagen, mehr als 2 Millionen Menschen wurden vertrieben. Der Wiederaufbau wurde von der internationalen Gemeinschaft mit erheblichen Mitteln unterstützt. Doch noch immer wird die Politik von den nationalistischen Agenden der drei großen ethnischen Parteien bestimmt – auf der Grundlage eines monströsen und dysfunktionalen Staatsgebildes, das nicht nur Unsummen verschlingt und die Bürger frustriert, sondern auch eine Annäherung an die EU bis auf Weiteres unmöglich macht. Mehr noch: Heute wird das Friedensabkommen von Dayton selbst als das entscheidende Hindernis gesehen, die innere

Mit Pauken und Trompeten. Serbien und seine Blechblasorchester

Ob Hochzeiten, Geburten oder Slava (Fest des Familien-Schutzheiligen) – der  Klang der Trompetenorchester begleitet auf dem Dorf noch immer jedes größere Ereignis. Insbesondere für Roma ist diese Musik ein Weg, den Respekt zu erlangen, der ihnen im Alltag oft verwehrt bleibt. Alljährlicher Höhepunkt ist das Trompetenfestival Guca,

Kroatien und Serbien 20 Jahre nach der „Operation Sturm“

Vier Jahre hatte der Krieg gedauert. Serbische Aufständische hatten gut ein Drittel Kroatiens besetzt und dabei große Teile der Bevölkerung vertrieben. Dann war innerhalb von 85 Stunden alles vorbei. Anfang August 1995 eroberte die kroatische Armee in einer Großoffensive das Gebiet der „Serbischen Republik Krajina“ zurück. Der Abschluss der sogenannten „Operation Sturm“ gilt als das Ende des Kroatienkriegs. Was für die einen Grund zur Freude war, bedeutete für die anderen den Verlust von Haus und Hof. Etwa 200.000 Serben flohen oder wurden vertrieben, Hunderte Zivilisten wurden ermordet. Die genauen Zahlen stehen bis heute nicht fest. Nur ein Viertel der Serben ist

Die „tragische Komödie“ der Roma-Integration. Zum Abschluss der Roma Dekade.

Vor gut zehn Jahren, am 2. Februar 2005, hatten in Sofia acht Staaten die Dekade der Roma Integration aufgerufen. Das Ziel: Innerhalb der nächsten zehn Jahre sollten Diskriminierung und soziale Ungleichheit von Roma wirksam bekämpft werden. Doch die Bilanz ist ernüchternd, wie unter anderem ein Blick nach Bulgarien zeigt.